Alleinesein, Lust und Bedürftigkeit, oder: Ein Liebesspiel (Text in Ich-Form)
Manchmal wurde es als total schön empfunden, an den Computer zu gehen und im Internet zu spielen. Aber jetzt gerade spüre ich, wie wenn der Kopf das Internet benutzen möchte, um nicht mit dem zu sein, was da gerade erscheint: dem Gefühl der Bedürftigkeit.
Er macht so allerhand Faxen, um diese Energie nicht wahrzunehmen. Warum? Er ist so programmiert worden. Irgendwann, als der Körper noch ganz klein war, waren manche Regungen nicht erwünscht, ja, wurden niedergemacht, und diese Reaktionen wurden eingespeichert.
So erinnere ich mich, dass ich als Kind total gerne Elvis hörte und dass der Körper ganz natürlich anfing, sich vom Becken aus zu der Musik zu bewegen. Als meine Großmutter das sah, wurde sie sehr wütend. Sie schrie mich an, ich sei eine Hure, wenn ich mich so bewegen würde.
Vermutlich war bei ihr einfach nur Angst und sie wollte mich auf diese Art schützen. Aber mein Köpfchen hatte nun eingespeichert, dass Lebensfreude, die sich sinnlich ausdrückt, etwas Schlechtes ist, das vermieden werden muss.
Vanessa erzählte mir auch von ihrer Beobachtung, dass Babys, wenn man sie wickelt oder badet und sie sich wohlfühlen, manchmal Lustgefühle spüren und mancher Erwachsener darauf mit Schrecken oder Abwehr reagiert.
Irgendwie so hat wohl auch "mein" Körper gelernt, dass da was falsch ist, wenn Lust aufsteigt, die ja nichts anderes ist als der wohlige Ausdruck purer Lebensfreude.
Da der Körpergeist Gabriele also gelernt hat, Lust zu unterdrücken, erscheint nun Bedürftigkeit und, wenn diese auch weggedrückt wird, Habenwollen. Beide Erscheinungen sind starke Energien. Und all dies wurde als unerwünscht, ja, gefährlich eingespeichert.
"Ich darf nicht haben wollen. Ich darf keine Lust spüren. Ich darf nicht bedürftig sein“. So viele Botschaften, die bei mir im Laufe der Jahre angekommen sind - so als ob da ein "Ich" wäre, das die Wahl hat!
Da aber diese Energien ja trotzdem da sind, tun sie nun das, was sie ebenfalls gelernt haben: Sie suchen sich einen Ersatz im scheinbaren Außen: Ein Mann, ein Tantraseminar, ein neues Auto, ein neues Kleid oder Schokolade muss her. "Ich" bin sauer und möchte mir das Leben versüßen, mich darüber hinwegtrösten, dass Das, was eigentlich da ist, nicht sein darf. Eine Art Suche beginnt.
Als das ganz plötzlich durchschaut wurde, sah es nach, was denn eigentlich da war. Und so wurde entdeckt, .....
(aus dem Manuskript "Das Leben als Liebesspiel" von scheinbar Gabriele Rudolph).
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